Fake News

Fake News sind heute in aller Munde. Doch was sind Fake News überhaupt? Wie verbreiten sie sich und wie erkenne ich sie? Das fragen wir uns diese Woche!

Tag 1 - was sind Fake News?

Wortwörtlich bedeuten „Fake News“ „Falsche Nachrichten“. Im Kern beschreibt der Begriff Fake News das Verbreiten von falschen oder nicht ganz richtigen Informationen. Solange es schon Zeitungen und Radios gibt, wurden auch falsche Informationen in Umlauf gebracht. Wenn ein Journalist oder Journalistin einen Artikel schreibt, aber nur eine Quelle (z.B. eine Person) befragt, kann es sein, dass diese Quelle gelogen hat oder einfach falsch informiert war. Manchmal haben JournalistInnen, bevor sie mit dem Schreiben beginnen, bereits die Story im Kopf. Manchmal drücken sich JournalistInnen unsorgfältig aus, sodass der Leser oder die Leserin ein anderes Bild vom Artikel bekommt, als eigentlich gewollt war. So wurden falsche Informationen bisher verbreitet.

Bei Fake News handelt es sich aber nicht einfach nur um falsche Informationen. Es geht vielmehr darum, dass falsche Informationen benutzt werden, um EmpfängerInnen der News bewusst zu beeinflussen. Welche Informationen verbreitet werden, welche Informationen absichtlich nicht verbreitetet werden und vor allem auch mit welchen Emotionen Informationen mitgeteilt werden beeinflusst EmpfängerInnen stark. Bei Fake News geht es darum, dass Verfasser dies bewusst ausnutzen, um durch falsche Informationen die LeserInnen zu täuschen und zu beeinflussen.

Zwei bekannte Fake News Beispiele: Nach dem Amtsantritt von Donald Trump erschien die Meldung, er habe die Skulptur von Martin Luther King Jr. Aus seinem Büro entfernt. Dadurch hatten EmpfängerInnen das Gefühl, er wolle den schwarzen Bürgerrechtler kritisieren und sei vielleicht grundsätzlich gegen schwarze Bürgerrechtler. Später stellte sich heraus, dass diese Information falsch war. Ein Beispiel aus der Schweiz: Seit 2015 taucht auf Social-Media-Kanälen immer wieder ein Leserbrief auf. In diesem wird vorgerechnet, dass Asylbewerber mehr Geld kriegen als AHV-Rentner und sie auch ansonsten mehr Unterstützung bekommen. Der Umfang der Unterstützugnen und die Beträge, die Asylbewerber laut Leserbrief bekommen würden, stimmten jedoch überhaupt nicht. Dennoch wurde und wird der Leserbrief regelmässig geteilt. EmpfängerInnen können so das Gefühl haben, dass Asylbewerber viel mehr unterstützt werden als z.B. sie selber oder Schweizer RentnerInnen.

Tag 2 - Was ist neu an Fake News?

Gerade weil Medien (Zeitung, Radio, TV etc.) die LeserInnen, ZuhörerInnen und ZuschauerInnen so einfach beeinflussen können, wurden sie auch schon immer dafür genutzt. Vor allem im Krieg, in Diktaturen, aber auch in Demokratien werden Medien genutzt, um die Interessen der Politik im richtigen Licht darzustellen. Diese Art von Mediennutzung wird Propaganda genannt. Klassische Beispiele für Propaganda sind Berichte über Kriegshelden, die auch unter widrigsten Umständen für das Vaterland weiterkämpfen, damit auch junge Soldaten motiviert bleiben.

Was ist neu an Fake News? Der Begriff ist bei den letzten US-Präsidentschaftswahlen aufgekommen. Sowohl Hillary Clinton wie auch Donald Trump haben sich dabei gegenseitig vorgeworfen, Fake News zu verbreiten. Das ist eine einfache Art, um zu sagen, dass die andere Seite absichtlich Lügen verbreitet. Neu am US-Präsidentschaftswahlkampf war auch, dass zum ersten Mal über den Einfluss von Social Media auf den Wahlkampf gesprochen wurde.

Wer Social Media nutzt, verrät viel über sich selbst. Über Social Media wird gespeichert, wer die Nutzer sind und was sie mögen. Zum Beispiel werden in einem Social Media Profil folgende Informationen gespeichert: Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Hobbies und Interessen. Aus diesen Informationen könnte sogar eine Schätzung des Einkommens abgeleitet werden. Wer eine politische Kampagne macht, braucht genau diese Informationen.

Denn wer eine politische Kampagne macht, hat nicht genug Geld, um alle WählerInnen eines Wahlkreises einzeln zu überzeugen. So wird eine bestimmte Gruppe von möglichen WählerInnen ausgesucht. Zum Beispiel weiss man folgendes über WählerInnen von Demokraten: Sie sind jung, leben in Städten und sind öfters weiblich. Über Social Media können mit Algorithmen genau diese Menschengruppen spezifisch angegangen werden. Wer also während den US-Präsidentschaftswahlen 25-30 Jahre alt war, in Manhattan lebte, den „NYC animal lovers club“ geliked hat und regelmässig im lokalen Bio-Lebensmittelgeschäft eingekauft hat („ich bin hier“-Option), hatte wahrscheinlich eher Werbung der Demokraten statt der Republikaner auf Instagram und Facebook.

Algorithmen sind weiter darauf ausgerichtet, dass sie dem Nutzer immer wieder zeigen, was ihnen bereits gefällt. Dem bestehenden Nutzerprofil entsprechend, werden ähnliche Inhalte gezeigt. Wer also einmal einen Post einer Partei geliked hat, wird ab dann immer wieder Posts der gleichen Partei sehen. Das führt zu einem Effekt welcher im Englischen auch „echo chamber effect“ genannt wird. Das heisst, dass Social Media Nutzer und Nutzerinnen nur noch Informationen begegnen, welche ihre bestehende Meinung unterstützen, statt widerlegen.

Tag 3 - Wie werden diese Algorithmen genutzt?

Wer diese Algorithmen verstanden hat, kann seine Botschaften relativ einfach und schnell an viele Leute verbreiten. Einerseits können so eigene WählerInnen spezifisch angegangen und diese mit positiven und motivierenden Informationen gefüttert werden. Anderseits können auch potentiell gegnerische WählerInnen spezifisch angegangen werden, um sie mit falschen Informationen über politische GegnerInnen zu füttern. Ein Beispiel:

  1. Markus ist Tierarzt und tritt bei den nächsten Gemeinderatswahlen an. GegnerInnen können Algorithmen so nutzen, dass bestimmten Soical Media NutzerInnen bestimtme Informationen angezeigt werden. So soll zum Beispiel NutzerInnen, welche regelmässig Inhalte mit Tieren liken, eine Story über Tierquälerei in der Tierarztpraxis von Markus gezeigt werden. Diese Fake News sollen Tierliebhaber also davon abhalten, Markus zu wählen – egal ob der Inhalt stimmt oder nicht.

Unterstützt werden kann die Verbreitung auch durch den Einsatz von sogenannten Social Bots. Social Bots sind automatisierte Programme, welche auf Social Media Seiten oder bei bestimmten Social Media NutzerInnen bestimmte Inhalte posten. Über Algorithmen werden dem Social Bot Kriterien dafür gegeben, wem er wann, welche Informationen zeigen soll (z.B. eben nach Alter, Geschlecht oder Interessen). Sie können auch automatisch Seiten, Posts oder Personen liken, retweeten und kommentieren (z.B. kommentiert der Bot bei jedem Post von Markus „Markus ist ein Tierliquäler“).  Dadurch wird die Reichweite der politischen Nachricht vergrössert. Grundsätzlich können Social Bots auch so programmiert werden, dass sie mit NutzerInnen interagieren können und auf ihre Nachrichten Antworten geben können. Statt, dass jemand alle Anfragen persönlich beantwortet, kann ein Chat Bot in Echtzeit mit dem Nutzer chatten.

Tag 4 - Wer verbreitet Fake News im Internet?

Grundsätzlich kann jeder Fake News im Internet verbreiten. Einerseits werden Fake News unwissentlich verbreitet, andererseits werden Fake News auch gezielt verbreitet.

In politischen Kampagnen werden Fake News immer mehr zum Thema. Möglicherweise hast du schon von Cambridge Analytica gehört. Cambridge Analytica ist eine Marketingagentur, welche gezielt Informationen über WählerInnen sammelt, um Wahlkampagnen zu beeinflussen. Ihnen wird vorgeworfen, über Facebook Informationen über Nutzer gesammelt zu haben, ohne dass diese es merkten. Weiter wird gesagt, dass durch Algorithmen mögliche Wählergruppen identifiziert wurden (so wie oben erklärt). Darauf basierend wurden Profile erstellt, um diese Nutzer zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Message zu beeinflussen. Zum Beispiel: Ein Algorithmus kann anhand eines Facebook Profils beurteilen, ob eine Person eher abenteuerlustig oder ängstlich ist. Der abenteuerlustigen Person wird dann eine Nachricht gezeigt, welche den politischen Kandidaten oder Kandidatin als mutig darstellt. Der ängstlichen Person wird eine Nachricht gezeigt, welche den politischen Kandidaten oder Kandidatin als vernünftig und bodenständig zeigt.

Neben professionellen Firmen verbreiten auch einzelne Personen Fake News. Trolle sind beispielsweise einzelne Personen, welche im Internet allgemein provozieren. Beispielsweise beleidigen sie in Kommentaren andere Nutzer oder stellen blöde und störende Fragen, wenn andere Nutzer eine Diskussion führen wollen. Trolle können jedoch auch koordiniert vorgehen. Dabei handelt es sich um sogenannte Troll-Armeen. Wenn viele Trolle ein gemeinsames Ziel haben, können sie beispielweise bestimmte Artikel mit positiven oder negativen Kommentaren fluten. Dadurch entsteht der Eindruck, als würde eine Mehrheit diesem positiv oder negativ eingestellt sein.