Übersicht

  • Was ist die Altersvorsorge?
  • Wie wird die Altersvorsorge finanziert?
  • Warum braucht es eine Reform?

Was ist die Altersvorsorge?

Wozu braucht es die Altersvorsorge?

Normalerweise wird man in der Schweiz mit 65 Jahren (Männer) beziehungsweise 64 Jahren (Frauen) pensioniert. Wirst du pensioniert, gehst du in den Ruhestand. Du erhältst also keinen Lohn mehr. Damit du nach der Pensionierung doch noch Geld zum Leben hast, gibt es die Altersvorsorge.

Aufbau Altersvorsorge

In der Schweiz ist die Altersvorsorge in drei Teile aufgeteilt. Diese Teile nennt man Säulen. Man spricht darum bei der Schweizer Altersvorsorge vom «3-Säulen-Prinzip».

Die AHV ist dafür da, dass du im Ruhestand die minimalen Lebenskosten bezahlen kannst. Die Pensionskasse (2. Säule) und die private Altersvorsorge (3. Säule) sind dafür da, dass du im Ruhestand zusätzliche Kosten bezahlen kannst.

Erste Säule

Die erste Säule ist die AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung). Die AHV ist obligatorisch: Erhältst du einen Lohn, so musst du einen Teil deines Lohnes in die AHV einbezahlen (AHV-Beitrag).

Der AHV-Beitrag wird je zur Hälfte vom/von der ArbeitnehmerIn und dem/der ArbeitgeberIn bezahlt. Sobald du pensioniert bist, erhältst du von der AHV jeden Monat eine Rente.

Die Höhe der Rente hängt davon ab, wie viel du in deinem Leben durchschnittlich verdient hast. Es gibt jedoch eine minimale (1175 Franken) sowie eine maximale AHV-Rente (2350 Franken).

Zweite Säule

Die zweite Säule bilden die Pensionskassen (auch BVG = berufliche Vorsorge genannt). In die Pensionskasse musst du erst ab einem bestimmten Jahreseinkommen einzahlen (2017: 21'150.-). Erreichst du diese Lohnstufe, so bezahlen du als ArbeitnehmerIN, und dein/e ArbeitgeberIn, wie bei der AHV, je einen Teil des Lohnes in die Pensionskasse ein (Pensionskassen-Beitrag).

Nach der Pensionierung kannst du dich entscheiden, wie du das Geld von der Pensionskasse erhalten möchtest. Es gibt folgende Möglichkeiten wie du das Geld erhalten kannst:

  • Als regelmässige Rente im Ruhestand
  • Ausbezahlen des ganzen gesparten Geldes auf einmal (Kapitalbezug)
  • Einen Teil des Geldes als Rente und einen Teil des Geldes als Kapitalbezug

Dritte Säule

Die dritte Säule nennt man Selbstvorsorge. Dabei kann zwischen der gebundenen Selbstvorsorge (3a) und der freien Selbstvorsorge (3b) unterschieden werden.

  • 3b: Die freie Selbstvorsorge ist das normale Sparen, z. B. auf einem Sparkonto.
  • 3a: Für die gebundene Selbstvorsorge dagegen kannst du ein spezielles Konto eröffnen. Für das Geld auf diesem Konto musst du keine Steuern bezahlen, bekommst es aber grundsätzlich erst wieder kurz vor der Pensionierung zurück. Weil das Geld von den Steuern abgezogen werden kann, kannst du so Steuern sparen. Es gibt aber einen Maximalbetrag (6 786 Franken) den du einzahlen darfst.

Die dritte Säule ist freiwillig. Sie ist dafür da, dass du auch neben den ersten beiden obligatorischen Säulen auch privat und freiwillig sparst.

Wie wird die Altersvorsorge finanziert?

Finanzierung AHV

Finanziert wird die AHV durch das sogenannte Umlageverfahren: Das bedeutet, dass die aktuellen Ausgaben durch die aktuellen Einnahmen finanziert werden. Die heutigen Renten der Pensionierten werden also durch die heutigen AHV-Beiträge der ArbeitnehmerInnen bezahlt.

AHV-Beiträge: Die AHV-Beiträge decken heute zu 80% die Renten der Pensionierten ab. Weil aber mehr AHV-Beiträge ausgezahlt als eingenommen werden, finanziert der Bund die restlichen 20% der Kosten durch den AHV-Fonds.

Finanzierung Zweite Säule

Finanziert wird die Pensionskasse durch das sogenannte Kapitaldeckungsverfahren. Das ist das Gegenteil des Umlageverfahrens. Die Pensionskasse kannst du dir wie ein Bankkonto vorstellen: Die eigenen Pensionskassen-Beiträge werden auf dieses Konto einbezahlt.

Wirst du pensioniert, dann wird die eigene Rente oder der eigene Kapitalbezug von diesem Konto bezahlt. Das Geld, dass du nach der Pensionierung von der Pensionskasse erhältst, ist also das eigene, angesparte Geld. Daher gibt es anders als bei der AHV auch keine minimale oder maximale Rente.Die Höhe hängt davon ab, wie viel du in die Pensionskasse einbezahlt hast.

Quelle: Bundesamt für Sozialversicherungen

Finanzierung Dritte Säule

Die dritte Säule ist freiwillig. Sie ist dafür da, dass du auch neben den ersten beiden obligatorischen Säulen auch privat und freiwillig sparst.

Warum braucht es eine Reform?

Reform der AHV

Das Verhältnis der Personen, die AHV-Beiträge bezahlen, zu jenen Personen, die eine AHV-Rente erhalten, hat sich verändert. Als die AHV eingeführt wurde, gab es pro pensionierte Person noch 6.6 Personen, die AHV-Beiträge bezahlt haben. Heute gibt es pro pensionierte Person nur noch 3.4 Personen, die AHV-Beiträge bezahlen. Der Bund geht davon aus, dass das Verhältnis in Zukunft weiter sinken wird.

Zwei verschiedene Entwicklung in der Gesellschaft sind hierfür verantwortlich:

  • Einerseits steigt die Lebenserwartung. Menschen in der Schweiz werden immer älter und beziehen darum länger eine Rente.
  • Andererseits werden in den nächsten Jahren besonders viele Menschen pensioniert.

Deswegen beziehen immer mehr Personen eine Rente. Aufgrund der Entwicklungen gab es über die Jahre immer wieder Versuche, die Finanzierung der AHV anzupassen. Viele Versuche scheiterten jedoch im Parlament oder wurden vom Volk abgelehnt. Deshalb wird auch heute noch stark über die zukünftige Finanzierung der AHV diskutiert.

Erklärung der Grafik: Ist die grüne Linie unter 0 (also negativ), heisst das, dass die AHV mehr Beiträge ausbezahlt als sie einnimmt. Ist die grüne Linie über 0 (also positiv), heisst das, dass die AHV mehr Beiträge einnimmt als sie ausbezahlt. (Quelle Grafik: Bundesamt für Statistik)

Reform Zweite Säule

Die 2. Säule wird durch das Kapitaldeckungsverfahren finanziert. Wie bereits oben erklärt, kann man sich die Pensionskasse wie ein Bankkonto vorstellen. Die eigenen Pensionskassen-Beiträge werden auf dieses Konto einbezahlt und nach der Pensionierung erhält man das Geld von diesem Konto. Das Geld liegt aber nicht einfach nur auf dem Konto – die Pensionskasse versucht den Geldbetrag zu vergrössern. Dafür legt sie das Geld beispielsweise am Finanzmarkt an oder investiert es in Immobilien. Die Pensionskasse versucht also mit dem Geld einen Gewinn zu machen. Diesen Gewinn nennt man Rendite.

In den letzten Jahren sind die Renditen der Pensionskassen aber aus verschiedenen Gründen immer kleiner geworden. Ein Grund dafür ist die schwierige wirtschaftliche Lage. Das Geld, das man auf sein Pensionskassen-Konto einbezahlt, vergrössert sich also weniger stark als früher. Bezieht man von der Pensionskasse aber eine Altersrente, so ist im Gesetz vorgeschrieben, wie hoch die ist.

Die Pensionskassen haben also gleich hohe Ausgaben aber geringere Einnahmen als früher. Die 2. Säule muss darum so reformiert werden, dass entweder die Einnahmen grösser werden (z.B. höhere Pensionskassen-Beiträge) oder die Ausgaben kleiner werden (z.B. tiefere Altersrenten).

Unterstützen